Kurzprogramm

"Es sind riesige Maschinen aus einer Welt in der man sich sonst nicht bewegt – die pure Neugier treibt uns dem Thema in die Arme", so Fritz Brunier und David Hiepler.

Ziel der beiden Fotografen hiepler, brunier, ist es, einen exemplarischen Katalog der Schifffahrt zu entwickeln. Dabei nehmen Sie den Betrachter mit in die Sehnsucht nach Meer gleichermaßen wie in Überlegungen zu globalen Warenströmen.

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horizonte zingst: Warum Schiffe?

hiepler, brunier,: Schiffe sind spannend.

Einmal als Ding, das Schiff als Objekt. Riesige Maschinen aus einer Welt in der man sich sonst nicht bewegt. Maschinen, also rein zweckgebundene Architekturen, denen eine ganz eigene Ästhetik zueigen ist, ohne dass ebenjene Ästhetik bei der Konstruktion eine größer Rolle gespielt haben kann.

In einigen unseren Arbeiten – wie etwa „Industrious“ – beschäftigen wir uns mit einer industriellen Welt, die mit unseren Leben in einer urbanen Gesellschaft nur wenig Berührungspunkte hat. Im Einleitungstext zu „Industrious" stand folgendes geschrieben: "Staunend sammelten wir Eindrücke, suchten unseren Weg, unsere Position. Zum Schluss gab es nur eine logische, die, in der wir uns auch tatsächlich befanden, die des distanzierten Beobachters, der Besuchers in einer fremden Welt.“

Das ist hier so ähnlich – die pure Neugier treibt uns dem Thema in die Arme.

Ausgelöst auch vielleicht von einem Bild der Schifffahrt, das geprägt von vor allem Fiktion aus Filmen und Büchern eine gewisse Faszination verströmt. Jeder hat Assoziationen zu Schiffen, zum Teil romantische Vorstellungen von der Seefahrt – Piratenfilme, Fernweh, endlose Weite, Moby Dick, Seebären lehnen Pfeife rauchend an der Reling, schauen mit zugekniffenen Augen in die steife Brise, kämpfen mit den Elementen, etcetera.

In der dann folgenden Beschäftigung mit der Seefahrt wurde uns schnell klar, dass wir in einen Bereich unserer globalisierten Gesellschaft vorgedrungen waren, der vergleichsweise wenig öffentliches Interesse auf sich zieht, aber ohne den unser globales Wirtschaftssystem nicht funktionieren kann. Tatsächlich werden etwa 90% des weltweiten Güterverkehrs auf dem Meer abgewickelt. Die Seefahrt ist das Rückgrat unserer Wirtschaftsordnung – existiert aber in weiten Teilen unbemerkt von den meisten Menschen an Land.

Das ist das Spannungsfeld, das uns interessiert hat. Wir fanden es interessant, ein bisschen Aufmerksamkeit für den ganzen Themenkomplex zu generieren, ein bisschen mehr Öffentlichkeit zu gewinnen für einen Bereich unseres Lebens, der nicht nur großen Einfluss hat auf uns hat, sondern durchaus, dann fernab jeder Romantik, auch einige Probleme zu bewältigen hat: Der Anteil der Schifffahrt an der Klimaerwärmung zum Beispiel oder die Arbeitsbedingungen auf den Schiffen und einige andere Themen.

Darüber hinaus wirft die Beschäftigung mit der Schifffahrt dann auch die ganz großen Fragen unserer Zeit auf, die Frage nach der Gestaltung unserer globalisierten Gesellschaft zum Beispiel… Aber diese Fragen wollen und können wir mit der Arbeit gar nicht beantworten, wir regen nur die Auseinandersetzung mit den Themen an.

Ihr Plan sieht vor, einen "Katalog der modernen Schifffahrt" zu fotografieren – ist das eine zu bewältigende Aufgabe?

Das ist ein schönes Ziel, dem wir auf jeden Fall noch näher kommen wollen. Ein wirklicher, also vollständiger Katalog ist aber einfach nicht möglich. Wenn wir allerdings einen noch besseren Eindruck vermitteln könnten, von der herrschenden Vielfalt, wäre das ein erreichbareres Ziel. Die Serie ist noch nicht abgeschlossen und wird uns noch weiter beschäftigen. Allerdings ist die Arbeit daran sehr aufwendig – wird also weiterhin dauern.

Wie gehen Sie fotografisch vor?

Wir haben jeweils am Ufer gestanden – erst an der Elbmündung, dann kurz vor der Einfahrt zum Nord-Ostsee-Kanal, später in Hamburg und haben dann vorbeifahrende Schiffe praktisch „gescannt". Also viele einzelne Aufnahmen gemacht, je größer das Schiff, desto mehr (bis etwa 35 Bilder für die großen Conainerschiffe), dann hinterher zusammengesetzt und... Der Rest ist Betriebsgeheimnis. Dadurch jedenfalls entstehen riesige Dateien, also eine große Genauigkeit und sehr hoher Detailreichtum.

Wie sah Ihre Recherche zum Thema, zu den Schiffstypen aus?

Das ergab sich beim Machen. Wir sind das erste Mal losgefahren und waren gespannt, was alles an uns vorbeifahren würde. Danach fängt man an zu recherchieren: Was ist was, was dient welchem Zweck und dann tun sich ganz schnell neue Türen auf und man findet noch viel mehr, sucht neue Orte an denen man neue Typen finden könnte, überlegt was noch fehlt, wird ein bisschen zum Sammler, zum Nerd. Vor allem haben wir natürlich im Internet gestöbert oder selbstverständlich auch in Büchern – sehr hilfreich waren auch Tracking-Apps, die beinahe jedes Schiff auf der Welt, mit seinen wichtigsten Daten und dem momentanen Standpunkt anzeigen können.

Und welche Schiffe haben Sie am meisten fasziniert?

Alle, die Passagierschiffe vielleicht ein bisschen weniger (obwohl die Fragen an Kreuzfahrten auch spannend sind), aber vielfältiger und damit spannender waren die anderen, Containerschiffe schon nur wegen Ihrer Größe, Tanker, Baggerschiffe, Autotransporter… Es kommt immer wieder was vorbei, dass man noch nie gesehen hat…

Die Ausstellung "Neunzig Prozent von Allem" ist zu sehen vom 15. Mai bis Ende August in der Galerie des Max Hünten Haus in Zingst.

Fotos © hiepler, brunier,

Website der Fotografen: http://www.hiepler-brunier.de/

Interview per E-mail: Edda Fahrenhorst

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