Kurzprogramm

Auf den ersten Blick sieht man auf den Bildern von Xavi Bou verwirrende, chaotisch und doch schon fast poetisch anmutenden Formationen, die sich über den Himmel oder durch eine Landschaft ziehen. Bei genauerem Hinschauen erkennt man: Es sind die Flugbahnen einzelner Vögel oder gar ganzer Vogelschwärme, die Bou sichtbar macht. Dabei verdichtet er mehrere Sekunden eines Vogelflugs auf einem einzigen Bild – per Zeitlupenaufnahmen, aus denen er dann in akribischer Kleinarbeit seine Bilder sorgsam extrahiert.

Im Interview erzählt Xavi Bou wie seine ungewöhnlichen und unkonventionellen Bildwelten entstehen.

Fotografie Zingst: Xavi, wann und warum sind Vögel zu Deinem zentralen Thema geworden?

Xavi Bou: Während meiner Arbeit in der Mode- und Werbebranche hatte ich irgendwann große Lust, ein persönliches Projekt zu entwickeln. Und als ich genauer darüber nachdachte wurde mir klar, dass ich über etwas arbeiten wollte, das mich besonders interessiert: Für meine Freunde und Familie bin ich schon immer der komische Kauz gewesen, der immer am Himmel nach Vögeln Ausschau hält oder nach Pfotenabdrücken auf den Wegen sucht. So beschloss ich, dass mein Thema die Natur sein sollte – aber auf eine kreative, neue Art und Weise. Als ich also eines Tages die Pfotenabdrücke auf einem Weg sah, dachte ich an die Spuren, die die Vögel am Himmel hinterlassen würden, wenn das möglich wäre. Das war vor acht Jahren.

Wie findest Du die Orte, an denen Du fotografierst?

Bei meinem Projekt fühle ich mich wie ein Kurator, der nach den verschiedenen Choreographien sucht, die die Vögel beim Fliegen ausführen. Dank meines Wissens über Ornithologie suche ich den Ort und vor allem die richtige Jahreszeit aus, je nachdem, welche Art von Flug ich zeigen möchte. So wähle ich einfach den schönsten Moment aus und mache ihn sichtbar.

Hast Du – während Du fotografierst – bereits eine Vorstellung davon, wie das Bild am Ende aussehen wird?

Im Laufe der Jahre hatte ich jedes Mal eine bessere Vorstellung davon, wie das Endergebnis aussehen wird. Einer der Gründe, warum dieses Projekt für mich so besonders ist, ist aber dennoch der Überraschungseffekt, den ich jedes Mal habe, wenn ich das Material entwickle. Denn: wenn ich vor Ort bin, weiß ich nicht, was ich bekomme, bis ich ins Studio zurückkomme und das ganze Material bearbeite... Dazu kommt, dass die Postproduktion sehr langsam ist, so dass ich jedes Mal, wenn ich auf „Enter“ drücke, zweimal darüber nachdenken muss.

Was macht ein Bild für Dich besonders?

Mittlerweile suche ich nach Bildern, bei denen die Zeichnung, die die Vögel erzeugen, viel Ausdruck hat. Ich interessiere mich für die Energie der Kurven, und diese Kurven füllen das Bild auf eine Weise, die mich bewegt.

Welche Bilder und Vogelflüge planst Du noch?

Es gibt viele Bilder, die ich machen möchte, aber ich bin vor allem immer noch verrückt nach den Starenflügen. Die Komplexität ihres Fluges und die Tatsache, dass es Aberausende von ihnen gibt, macht jedes Ergebnis so anders und besonders. Ich investiere viel Zeit in die Arbeit daran, aber es ist wirklich schwierig, die perfekten Bedingungen zu finden.

Das Interview führte Edda Fahrenhorst per E-Mail.

Die Ausstellung "Ornitographien" ist im Max Hünten Haus Zingst vom 01.10. - 15.12.2021 zu sehen.

Alle Bilder: Xavi Bou

Website des Fotografen: xavibou.com

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