Mode spielt im Leben von Fotografin Monica Menez eine zentrale Rolle. Im Interview erzählt sie, wie sie Shootings vorbereitet und welche skurillen Momente sie während der Arbeit schon erlebt hat.

Monica Menez‘ Fotos sind laut (können aber auch leise), sie sind wild (selten auch zahm), sie sind lustig (das Lachen kann im Hals steckenbleiben), sie sind erotisch (nicht alle, aber ganz schön viele) und intelligent (ausnahmslos). Kurz: Sie sind provokant und machen dabei ziemlich viel Spaß!

Für ihre freien Modestrecken lässt sich die Stuttgarter Fotografin von verschiedenen Dingen inspirieren. Und obwohl sie ihre Shootings mit viel Freude akribisch plant, kann es während der Arbeit durchaus vorkommen, dass sie einfach den Moment nutzt und improvisiert. Ihre Ergebnisse sind dennoch mitnichten wahllos, sondern auch in der größten Improvisation planvoll gesetzte und umgesetzte Gesamtkunstwerke, die alle ihre eigene Geschichte erzählen. Und dabei – vor allem in einer (Mode-) Welt der oftmals perfekt konformen Außenbilder – eigen, außergewöhnlich, skurril, detailverliebt, scharfzüngig, witzig, anstößig und fotografisch vor allem eines: progressiv.

Wie sind Sie zur Modefotografie gekommen?

Monica Menez: Nach einer Ausbildung bei einem Werbefotografen arbeitete ich einige Jahre als Pressefotografin. Dann begann ich, für diverse Magazine Editorials zu fotografieren. 2002, als ich immer mehr Aufträge von Modelabels bekam, entschied ich mich schließlich dazu, als reine Modefotografin zu arbeiten.

Wie entwickeln Sie Ihre Motive?

Generell lasse mich von den verschiedensten Dingen inspirieren, egal ob Musik, Film oder bildende Kunst. Auch ein Kleidungsstück kann sehr inspirierend sein. Wobei Musik mich sicherlich am meisten beeinflusst – speziell skurrile, seltsam klingende, außergewöhnliche Musik. Generell bin ich sehr experimentierfreudig und liebe es, zu improvisieren.

Models, Styling, Haare/MakeUp, Licht – Modefotografie ist aufwändig und trubelig. Wie arbeiten Sie und was mögen Sie daran?

Wenn ich eine konkrete Idee für ein freies Modeprojekt im Kopf habe, versuche ich diese zu visualisieren, indem ich ein Moodboard erstelle. Zuerst lege die Farbwelt fest. Dann arbeite ich die Details wie Styling, Look, Make-up immer genauer aus, damit ich meinem Team meine Vorstellung zu dem Shooting besser vermitteln kann. Dazu nutze ich Bilder die ich im Internet finde oder eigene Bilder aus meinem Archiv.

Ich liebe diese Vorbereitungszeit und das Recherchieren aus diesem Grund arbeite ich meistens gleich an mehreren Projekten gleichzeitig. Bei einem kommerziellen Modeauftrag gehe ich meistens genauso vor, allerdings geschieht dies in einer engen Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Kunden.

Können Sie sich an besonders absurde, schöne oder lustige Momente erinnern?

Ja, natürlich – da gab es unheimlich viele! Ein besonders schräges Shooting entstand für das Label Blutsgeschwister. Sie hatten eine "Blaublut-Kollektion" entworfen und die Idee für das Shooting war: "Alle betrinken sich und wir sehen was dann passiert ..." Models, Visagist, Assistent, Fotografin... die Ergebnisse waren nicht sooooo berauschend.

Sie entwickeln auch Modefilme – wie kam es dazu?

Dass ich zum Film gekommen bin, war eher Zufall und aus der Not heraus geboren. Ich arbeitete gerade an meinem freien Fotoprojekt „Precious“. Nach unzähligen Shootings wurde mir klar, dass ich mit fotografischen Mitteln die Geschichte nicht rüberbringen kann. Also filmte ich die Szenen, auch, weil ich das Projekt abschließen wollte. Das Ergebnis gefiel mir dann so gut, dass ich diese Art der Arbeit seitdem fortführe. Ob ich mich bei einem Projekt für Fotografie oder Film als Medium entscheide, kommt immer ganz auf die Idee an, die ich umsetzen möchte.

Wo liegen die inhaltlichen und technischen Unterschiede zwischen Foto und Film?

Generell bin ich sehr experimentierfreudig und liebe es, bei Fotoshootings zu improvisieren. Beim Filmen ist es so, dass alles im Vorfeld sehr detailliert und sorgfältig vorbereitet ist, inklusive Storyboard. Hier ist der Raum für Improvisation sehr gering. Außerdem ist das Team bei einer Filmproduktion viel größer. Bei einem meiner letzten Drehs für einen Werbespot waren 80 Mann am Set.

Last but not least: Was wäre Dein Traummotiv? Oder haben Sie das vielleicht sogar schon fotografiert?

Das Traummotiv ist immer das, das ich in Zukunft fotografieren werde... ich denke so geht es vielen Fotografen oder Regisseuren. Diese Art von "Perfektionismus" ist auch der Antrieb für weitere Projekte.

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