Kurzprogramm

Der israelische Fotograf Alexander Bronfer ist vom Toten Meer fasziniert: „Über Jahrhunderte war dieser Ort ein Zufluchtsort für Messiasse, Eiferer, Märtyrer, Könige und Asketen.

Heute ist das Tote Meer ein beliebtes Reiseziel mit touristischer Infrastruktur: "Nun haben an seinen Ufern Menschen Dämme und Anlagen gebaut, sie bohrten Brunnen, schnitten das Meer von jeder Süßwasserquelle ab und überließen es dem Tod. Heute schieben sie ihre Strandkörbe und Sonnenschirme immer weiter und folgen schweigend dem verschwindenden Meer.“

Alexander Bronfer fühlt sich dem Toten Meer verbunden, schon als Kind hat er viel Zeit an den Ufern des Gewässers verbracht. Dessen Veränderung und vor allem Bedrohung dokumentiert er mit seiner Kamera.  Im Interview spricht er mit uns darüber, was der Tourismus mit dem Toten Meer macht.

horizonte zingst: Was ist für Dich die Faszination, das Geheimnis des Toten Meeres?

Alexander Bronfer: Geboren in der UdSSR bin ich per Definition ein Atheist, aber es gibt zwei Orte, an denen ich diese ewige göttliche Kraft spüre. Der erste, wenn ich mich Jerusalem nähere, und der zweite, wenn ich zum Toten Meer hinunterfahre.

Das Mysterium ist das, was man nicht erklären kann. Irgendeine ewige Kraft treibt mich hierher.

Du lebst seit Jahren in der Region - welche Veränderungen hast Du festgestellt?

Ohne Süßwassereingaben stirbt das Tote Meer. Der Meeresspiegel schrumpft jedes Jahr um mehr als einen Meter.

In den späten 1980er Jahren begannen rund um das Tote Meer erstmals tiefe Löcher, so genannte „Sinkholes“, aufzutreten, verursacht durch den rapiden Rückgang des Gewässers. Im Jahr 1990 gab es nach Angaben des Geologischen Dienstes Israels etwa 100 Sinkholes.

Seit 2005 ist die Situation kritisch, die Anzahl und Größe dieser Löcher ist explosionsartig angestiegen. Heute gibt es mehr als 6.000 und täglich tauchen neue auf. Die Sinkholes verändern die Landschaft rund um das Tote Meer komplett und es wurden bereits mehrere Strände geschlossen, Palmenhaine verlassen und Straßen verändert.

Im nördlichen Teil des Toten Meeres (eigentliches natürliches Meer) ist in den meisten Gebieten der Zugang zum Toten Meer wegen der Sinkholes verboten.

Was macht der Tourismus mit dem Toten Meer?

Seit 1979 ist das Tote Meer wegen des Süßwassermangels in zwei Teile unterteilt: Der südliche Teil wird als Verdunstungsbecken für die Industrie genutzt. Der nördliche Teil ist immer noch ein natürliches Gewässer, aber weil sein Wasserspiegel in alarmierendem Tempo schrumpft, ist es wirtschaftlich nicht sinnvoll, dort Hotels zu bauen.

Die israelische und jordanische Regierung haben eine kreative Lösung gefunden: Sie begannen mit dem Bau von Hotels und Erholungsgebieten im Bereich der Verdunstungsteiche, wo der Wasserspiegel durch das Abpumpen von Wasser aus dem nördlichen Teil des Sees konstant gehalten wird. So bleiben die meisten Besucher im südlichen Teil, ohne zu wissen, dass das eigentlich kein richtiger See ist, sondern Verdunstungsteiche.

Was ist Dein beeindruckendstes fotografisches Erlebnis?

Vor ein paar Jahren habe ich Mutter und Tochter in En Bokek fotografiert und sprach auch eine Weile mit ihnen. Und das Bild schickte ich noch am selben Abend. Ungefähr ein Jahr später bekam ich folgende kurze Nachricht:

„Ich wollte Ihnen schreiben, um mich nochmals dafür zu bedanken, dass Sie dieses Foto mit mir geteilt haben – es ist eines meiner Lieblingsbilder von ihr. Traurigerweise ist meine Mum vor einem Monat verstorben. Fotos wie dieses zu haben – um sich an die guten Zeiten zu erinnern, die wir zusammen hatten – ist wirklich wichtig für mich. Ich wollte Sie nur wissen lassen, wie viel mir das bedeutet“.

Diese paar Zeilen bedeuten mir so viel ... viel mehr als alles andere...

Alexander Bronfers Fotografien sind Teil der Gruppenausstellung – "Wasser – Ursprung, Element, Ressource, Leben", die als  Online-Ausstellung zu sehen ist. In Form eines 360-Grad-Rundgangs gibt es alle Ausstellungsbeiträge in digitaler Form. 

Fotos © Alexander Bronfer

Website des Fotografen: www.bronfer.com

Interview per E-mail: Edda Fahrenhorst

Dieses Video wird von Youtube eingebettet.
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