Kurzprogramm

Im Interview erzählt Melina Mörsdorf, wie sie es geschafft hat, einen wundervollen Moment kindlicher Leichtigkeit - fast unbemerkt - zu fotografieren.

Im Sommer 2020 gab es in Hamburg ein paar sehr heiße Tage – die Hundstage. Während dieser Zeit hat die Fotografin Melina Mörsdorf ihre Tochter Toni und ihren besten Freund Julius (beide acht Jahre alt) beim Spielen mit dem universellsten Spielzeug beobachtet: Wasser

horizonte zingst: Dog Days“ lautet der Titel Ihrer Arbeit. Können Sie das Gefühl jener Tage beschreiben?

Melina Mörsdorf: Ja, ich erinnere mich noch sehr gut; der Lockdown und die Unsicherheit und Angst des Frühjahrs lagen hinter uns, wir dachten im Sommer ja schon fast, die Pandemie wäre so gut wie überstanden, und dann wurde es so warm und obwohl ich die Hitze in der Stadt oft nur schlecht aushalte und mich dann meist in meinen Kleingarten zurückziehe, habe ich es so genossen; lange Tage, warme Abende, flirrende Luft und das Gefühl, dass es endlich vorwärts geht.

Kinder spielen fast immer und fast überall – warum haben Sie sie beim Spielen mit Wasser fotografiert?

Wir haben Tonis besten Freund Julius besucht, der mit seiner Familie gleich um die Ecke wohnt und weil es eben so heiß war, haben die Kinder angefangen im Hof mit Wasser zu spielen, da ist es sonnig und schaWg und ruhig zugleich, das bot sich an. Die Kinder hatten einen langen Schultag hinter sich und waren vollkommen vertieft in ihr Spiel.

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Sie sind in der Strecke eine intensive Beobachterin - wie sind Sie selber unbeobachtet geblieben?

Ich hatte meine Kamera nur zufällig dabei, weil ich vorher einen Job hatte, und dachte direkt, dass ich diesen Moment festhalten muss, da er so kostbar und unwiederbringlich ist. Meine Tochter ist es gewohnt fotografiert zu werden und ich habe nur wenig Raum eingenommen, so arbeite ich eigentlich fast immer. Einfach laufen lassen und gucken, was passiert.

Sehnsucht, Unbeschwertheit und Leichtgkeit – ist es das, was Ihre Bilder ausdrücken sollen?

Ja, wahrscheinlich schon. Ich war froh, eine auf so vielen Ebenen perfekte Situation durch Zufall erleben zu können, oft ist man ja gar nicht dabei, wenn die Kinder in ihre Welten abtauchen. Sicherlich spielt also auch der Wunsch nach Sorglosigkeit und Rückkehr zu diesem kindlichen Erleben eine Rolle

Was kann Fotografie? Wofür setzen Sie sie ein?

Ich denke über den Tod und das Vergehen der Zeit nach, seit ich ein kleines Kind war und habe mir oft ausgemalt, wie schrecklich es ist, dass wir alle sterben müssen, irgendwann. Da lag es nah, die Kamera meiner Mutter zur Hand zu nehmen um alles festzuhalten, was ich um mich herum fand, ich wollte wohl die Zeit ein bisschen anhalten, Momente einfrieren und so Erinnerungen schaffen. Diese Herangehensweise ist mir bis heute geblieben und auch wenn der Tod mittlerweile begreifbarer für mich geworden ist und mich nicht mehr so ängstigt wie als Kind, so ist es trotzdem mein ureigenes Bedürfnis, so viele Momente wie möglich zu sammeln.

Ich denke über den Tod und das Vergehen der Zeit nach, seit ich ein kleines Kind war und habe mir oft ausgemalt, wie schrecklich es ist, dass wir alle sterben müssen, irgendwann. Da lag es nah, die Kamera meiner Mutter zur Hand zu nehmen um alles festzuhalten, was ich um mich herum fand, ich wollte wohl die Zeit ein bisschen anhalten, Momente einfrieren und so Erinnerungen schaffen. Diese Herangehensweise ist mir bis heute geblieben und auch wenn der Tod mittlerweile begreifbarer für mich geworden ist und mich nicht mehr so ängstigt wie als Kind, so ist es trotzdem mein ureigenes Bedürfnis, so viele Momente wie möglich zu sammeln.

Die Serie "Dog Days" von Melina Mörsdorf ist ein Part der Gruppenausstellung „Wasser – Ursprung, Element, Ressource, Leben“. Ebenjene wird in Kooperation mit dem Magazin Stern in der Panzerhalle / Wellness Camp Düne 6 vom 28.05.- 06.06.2021 gezeigt.

Webseite der Fotografin: www.melinamoersdorf.de

Das Interview führte Nina Hesse per E-Mail

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