Kurzprogramm

Die Fotografin Nele Gülck bekam in der Hamburger Seemannsmission den Zuschlag für einen stehen gelassenen Koffer und in dem Moment, in dem sie ihn öffnete, wusste sie, dass daraus ein Fotoprojekt entstehen würde.

In dem Koffer nämlich fand sie verschiedenste Gebrauchsgegenstände, Papiere und Erinnerungsstücke eines Seemannes, den sie trotz intensiver Suche bis heute nicht ausfindig machen konnte.

Wann die Winde heimwärts wehe

horizonte zingst: Wie ist die Seemannskiste zu Dir gekommen?

Nele Gülck: Die Deutsche Seemannsmission bietet Seeleuten die Möglichkeit, ihr Gepäck aufzubewahren, wenn sie die Stadt verlassen, um wieder zur See zu fahren. Einige dieser Gepäckstücke werden jedoch niemals wieder abgeholt. Alle paar Jahre veranstaltet die Seemannsmission mit den zurückgelassenen Kisten und Koffern eine öffentliche Versteigerung, darunter war auch die ungeöffnete olivfarbene Metallkiste.

Wann wusstest Du, dass Du den Inhalt des Koffers fotografieren würdest?

In dem Moment als ich die Kiste geöffnet habe. In ihr habe ich ein ganzes Leben gefunden, alles fein säuberlich und ordentlich verpackt. Von der Geburtsurkunde, über Schul- und Abschlusszeugnisse bis hin zu Schmuckstücken und einem unbenutzten Schachspiel mit Figuren aus Elfenbein.

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Hast Du versucht, den Besitzer ausfindig zu machen?

Ja, aber leider habe ich ihn leider nicht gefunden. Offizielle Stellen durfte mir keine Auskunft geben. Ich habe keinen Eintrag im Internet gefunden, kein Facebookprofil. Auf Emails gab es eine Fehlermeldung, die Telefonnummer war nicht mehr vergeben… Es gibt wohl keine Familienangehörigen mehr.

Welcher Gegenstand ist für Dich der Wichtigste?

Es ist der alte Schuhkarton mit Dokumenten, Briefen und Privatbildern. Viele Bilder zeigen das Leben an Bord, nur selten tauchen Menschen auf. Eins der Fotos ist sehr privat. Es zeigt den Besitzer der Kiste, wie er nackt auf der Schiffsreling sitzt, hinter ihm das weite Meer, dabei spielt er Querfllöte… Ich kenne diesen Menschen nicht, aber das Bild berührt mich und ich frage mich, wer es wohl aufgenommen hat.

Neles Fotoprojekt ist Teil der Gruppenausstellung – "Wasser – Ursprung, Element, Ressource, Leben", die als  Online-Ausstellung zu sehen ist. In Form eines 360-Grad-Rundgangs gibt es alle Ausstellungsbeiträge in digitaler Form. 

Fotos © Nele Gülck

Website der Fotografin: www.neleguelck.de

Interview per E-mail: Edda Fahrenhorst

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