Wildschweine in Berliner Gärten, Füchse in der Innenstadt von Köln, Eisvögel im Düsseldorfer Stadtpark! Für sein neues Buch „Großstadt Wildnis“ hat sich der Fotograf Sven Meurs auf die Suche nach Tieren gemacht, die sich mit der Großstadt arrangiert haben. Sein Ziel ist es Begeisterung für die Einzigartigkeit der Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten in der Stadt zu wecken.

Interview mit Sven Meurs über Tierfotografie in Großstädten

Herr Meurs, wie sind Sie auf die Idee zu „Großstadt Wildnis“ gekommen und warum?

Ursprünglich wollte ich mit dem Fahrrad von Mombasa nach Kapstadt radeln, um eine Reportage in Afrika zu fotografieren. Nach der Geburt meines ersten Kindes habe ich die Reise ein wenig verschoben, dann kamen Kind Nummer zwei und drei und ich wollte natürlich nicht mehr so lange weg sein – also musste etwas anderes her.

Nach dem Umzug nach Köln hatte ich eine nächtliche Begegnung mit einem Fuchs. Dieses Aufeinandertreffen hat mich sehr beeindruckt und ich habe mir die Fragen gestellt: Welche Tiere leben in unseren Städten – und warum? Außerdem hat mich sehr interessiert, wie das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier funktioniert.

Wo haben Sie bereits fotografiert?

Ich war in den letzten Jahren in verschiedenen deutschen Großstädten unterwegs: Hamburg, Berlin, München, Köln, Düsseldorf. Im Ruhrgebiet, in Heidelberg, Stuttgart, Frankfurt am Main, in Neuss, in Moers und vielen anderen. Immer auf der Suche nach spannenden Tierbegegnungen.

Wie sind Sie fotografisch vorgegangen?

Zunächst habe ich nach interessanten Tieren, die in der jeweiligen Stadt leben, recherchiert. Dank sozialer Netzwerke sind immer irgendwo Bilder online, die erstaunte Stadtbewohner hochladen. Auf verschiedenen Portalen habe ich Tiermeldungen verfolgt. Dann habe ich mir meistens in den jeweiligen Städten Ansprechpartner gesucht, die sich gut mit der Stadtnatur auskennen, um mir die besten Plätze zu zeigen. Ohne diese Kontakte hätte ich noch viel länger warten und suchen müssen. Und dann ging es ans Fotografieren: Trotz vieler Tipps war ich beispielsweise sechs Mal in Berlin, erst beim letzten Besuch konnte ich Wildscheine vor die Kamera bekommen.

Welche Begegnung hat Sie am meisten berührt?

Eine der schönsten Begegnungen war die mit einem Eisvogel. Fast 10 Jahre habe ich mich auf die Suche nach ihm in der Stadtnatur gemacht. Und dann kam er mir so nah, dass ich ihn kaum noch scharf bekommen konnte. Vier Tage lang habe ich ihn sehr intensiv beobachten können. Und es ist natürlich immer wieder wunderschön, wenn eine neue Generation Stadtfüchse vor ihrem Bau erscheint.

Und last but not least: Was verbinden Sie mit Zingst?

Ich bin natürlich schon oft an Zingst und am Darß vorbeigesegelt. Der lange Sandstrand mit den Kieferwäldern dahinter bildet einen unverkennbar maritim geprägten Landschaftsraum. Die Boddenseite des Ostseeheilbades Zingst habe ich allerdings noch nicht erkundet, das steht schon seit ein paar Jahren auf meiner „To-Do-Liste“. Wenn ich heute an Zingst denke, dann denke ich natürlich vor allem an das Umweltfotofestival »horizonte zingst«.

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