Leidenschaft, physische Höchstleistungen, Emotionen, Wettbewerb – all das vereint sich im Sport. Und in der Sportfotografie von David Ramos.

Der spanische Fotograf ist einer der Auserwählten, die sowohl vom Spielfeldrand aus als auch hautnah dabei sein und fotografieren dürfen. Im Max Hünten Haus zeigt er im Sportjahr 2020 seine außergewöhnlichsten und emotionalsten Bilder. Wir haben ihn gefragt, was ihn an der Sportfotografie reizt, was die Herausforderungen sind und welches sein schlimmster Moment war:

Wie sind Sie zur Fotografie und von dort zur Sportfotografie gekommen?

David Ramos: Meine Geschichte ist keine klassische “Als ich klein war, wollte ich Fotograf werden”-Geschichte. Weder mein Vater oder sonst irgendein Mitglied meiner Familie hatte mit Fotografie zu tun, tatsächlich war mein Vater Geschäftsmann. Deshalb habe ich auch angefangen, Wirtschaft zu studieren. Als mein Vater starb, war ich 18 Jahre alt und ich fand mich in einem Studium, das ich nicht wirklich mochte, wieder. Nach einer kurzen Zeit der Rebellion und dem Beladen von Lastwagen in langen Nachtschichten, habe ich mich für ein dreijähriges Studium der Fotografie eingeschrieben. Ehrlich gesagt habe ich mich für dieses Studium entschieden, weil es zu der Zeit wirklich cool war, Fotograf zu sein.

Spaß beiseite, diese Entscheidung war eine der besten in meinem Leben, denn damit wurde mir die Tür zu einem neuen Blick auf die Welt geöffnet. Fotografie ist die Kunst der Beobachtung, es geht darum, etwas Interessantes an einem ganz gewöhnlichen Ort zu finden.

Zur Sportfotografie bin ich gekommen, weil ich mich in die Idee verliebt habe, Momente einzufangen, die für immer vergangen sind. Dieser Moment, diese Zeit gehört mir und mit meinen Bildern kann ich sie mit jemand anderem teilen, mit vielen Menschen, eigentlich mit der ganzen Welt. Das ist es, was ich am meisten liebe, die Verbindung zwischen zwei oder mehreren Realitäten.

Was sind die besonderen Herausforderungen in der Sportfotografie?

Die wichtigste ist: Wenn der Moment weg ist, ist er weg. Einen Rückspulknopf gibt es in der Sportfotografie nicht, man muss während der gesamten Veranstaltung hochkonzentriert bleiben.

Dazu kann man In der Sportfotografie oft nicht entscheiden, wo man steht – normalerweise wird man von Organisatoren zugewiesen. Aber das ist keine Entschuldigung und man muss sein Bestes tun, um überall die besten Inhalte zu bekommen.

Man muss sich selbst also immer wieder pushen, um neue Wege zu finden, einen exklusiven Zugang zu bekommen, die Geschichten aus verschiedenen Blickwinkeln zu erzählen und sich von der Konkurrenz abzuheben.

Gibt es eine Sportart, die Sie besonders gerne fotografieren? Und gibt es eine, die Sie gar nicht mögen?

Ich mag es wirklich, möglichst viele verschiedene Sportarten zu fotografieren, würde aber sagen, dass Fußball ganz oben auf meiner Liste steht. Jedes Spiel ist anders, alle 90 Minuten gibt es eine neue Chance, tolle Bilder zu bekommen. Besonders wenn man jede Woche beim FC Barcelona fotografiert, denn da gibt es einen Kerl, der die Nummer 10 trägt und sich ziemlich gut macht...

Ich mag Herausforderungen und jede Sportart ist eine neue Herausforderung, deshalb kann ich keine Sportart benennen, die ich nicht gerne fotografiere. Ist Schach ein Sport? Das wäre ziemlich herausfordernd.

Apropos Herausforderungen – was heißt es, bei wirklich großen Sportveranstaltungen zu fotografieren?

Große Sportveranstaltungen können zweierlei bedeuten: Mehrere Tage und Wochen wie die Olympischen Spiele oder Weltmeisterschaften oder eintägige Großveranstaltungen wie etwa die großen Finale.

Bei den langen Veranstaltungen geht es darum, die eigene Ausdauer zu managen. Olympische Spiele sind körperlich sehr anstrengend, 16 bis 18 Stunden Arbeit plus lange Transfers sind normal. Man muss jeden Tag konzentriert bleiben, es gibt keinen Ruhetag. Bei den letzten Olympischen Winterspielen in Pjöngjang haben wir zusätzlich noch drei Tage lang unter -20 Grad gearbeitet…. Man muss seine Arbeitszeit gut managen können und in der Zeit die übrig ist, die Erholung maximieren.

Außerdem ist die Sportfotografie ein hart umkämpftes Umfeld, es gibt großartige Fotografen da draußen und keiner von ihnen verpasst die Chance, ein gutes Bild zu bekommen.

Dasselbe gilt für die großen eintägigen Veranstaltungen. Ein großes Finale wie bei der Fußballweltmeisterschaft oder der Champions League ist der härteste Wettbewerb, den ich je gesehen habe. Etwa 250 Fotografen stehen Schulter an Schulter und fotografieren. Deine Augen und wie Du sie benutzt, sind der einzige Unterschied zu deinen Konkurrenten.

Aber ich mag meinen Job und ich liebe den Ort, an dem ich arbeite – Getty Images gibt mir die Chance, bei den wichtigsten Sportveranstaltungen der Welt dabei zu sein, und das oft mit exklusivem Zugang.

Aber ich bin nicht nur bei den Veranstaltungen, um die Erfahrung zu genießen – was allerdings eine Voraussetzung ist – sondern ich bin dort, um ein Briefing mit dem höchsten Qualitätsstandard zu erfüllen. Das wirklich Gute dabei ist, dass wir bei Getty Images als Team arbeiten und immer Unterstützung in allen Fragen haben.

Last but not least: Welche Bilder und welcher Sport reizen Sie noch?

Ich würde wirklich gerne die Olympischen Winterspiele 2030 in Barcelona fotografieren – wenn sie nach Barcelona gehen. Denn das heißt, ich würde noch zehn Jahre im Geschäft bleiben!

Bei all den Sportveranstaltungen – gibt es einen Moment, an den Sie sich besonders erinnern?

Das England-All Blacks-Halbfinalspiel der letzten Rugby-Weltmeisterschaft könnte das erstaunlichste Spiel sein, das ich je fotografiert habe. Ich bin kein Rugby-Fotograf, aber die Atmosphäre und das ganze Spiel waren einfach unglaublich.

Der schlimmste Moment war zweifelsohne, als Shaun White nach seinem dritten Goldmedaillengewinn 2018 in Pjöngjang sein Snowboard zerschlug – ein ikonischer Moment, so sauber, so kraftvoll. Und er ist weg – ein TV-Kameramann stand direkt vor mir, vor meiner Kamera. Das tut immer noch weh.

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