Dietrich Bonhoeffer, evangelischer Theologe und späterer Widerstandskämpfer, leitete im Frühjahr 1935 auf dem Zingsthof das erste illegale Predigerseminar der Bekennenden Kirche. Inmitten der stillen Natur formte er junge Theologen zu mutigen Christen – mit geistlicher Tiefe und klarem Wertekompass. Seine Predigt zu Psalm 42 in der Peter-Pauls-Kirche und der Kontakt zur Zingster Gemeinde prägten diese kurze, aber bedeutende Zeit. Bis heute erinnert die Bonhoeffer-Kapelle an sein Wirken in Zingst.
Im März 1935 richtete Bonhoeffer auf dem Zingsthof, einem ehemaligen Erholungsheim nahe dem Ostseestrand, das erste Predigerseminar der Bekennenden Kirche ein. Ziel war es, junge Vikare abseits der NS-kontrollierten Amtskirche theologisch zu schulen – in der Haltung christlicher Verantwortung und innerer Freiheit. Der Seminarbetrieb in Zingst dauerte nur wenige Wochen. Doch sie waren prägend: Bonhoeffer vermittelte geistliche Tiefe, gemeinsames Leben im Glauben und ein Bewusstsein für den Widerstand gegen ein Unrechtsregime.
Am 2. Juni 1935 predigte Bonhoeffer in der Peter-Pauls-Kirche in Zingst – zu Psalm 42, einem Lied der Sehnsucht und Hoffnung. In seiner Auslegung sagte er:
„Der Christ ist der Mensch, der in der Ferne lebt, der weiß, dass er in der Nähe des Herrn leben sollte, und der darum seine Seele mit Fragen und Bitten erfüllt. [...] Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“
Diese Worte spiegeln Bonhoeffers tiefes Ringen um Gerechtigkeit und seine Zuversicht trotz drohender Verfolgung.
Als bleibende Erinnerung an diese Zeit wurde später auf dem Gelände des Zingsthofs – den heutigen martas Gästehäusern Zingsthof – die Bonhoeffer-Kapelle errichtet. Sie dient bis heute als stiller Gedenkort und spiritueller Raum – für Besucherinnen und Besucher, die sich mit dem Leben und Wirken Bonhoeffers auseinandersetzen möchten.
Bonhoeffer (1906–1945) war Theologe, Schriftsteller und Gegner des Nationalsozialismus. Er engagierte sich früh gegen die Gleichschaltung der Kirchen, setzte sich für die Verfolgten ein und war am Widerstand beteiligt. Nach mehrjähriger Haft wurde er kurz vor Kriegsende im KZ Flossenbürg hingerichtet. Seine Schriften wie „Nachfolge“ oder „Widerstand und Ergebung“ zählen zu den bedeutendsten theologischen Werken des 20. Jahrhunderts.
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Die Verbindung zwischen Zingst und Bonhoeffer macht den Ort heute zu einem kulturhistorisch bedeutsamen Gedenkpunkt an der Ostseeküste. Die Peter‑Pauls‑Kirche, die Bonhoeffer-Kapelle und der historische Zingsthof laden dazu ein, sich mit den Werten Freiheit, Verantwortung und Glauben zu beschäftigen.
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