Im Kurpark Zingst wird in diesem Sommer Natur zur Inszenierung: Gemalte Landschaften, Safari in Betonkulissen, Schnee aus Kanonen, wilde Natur hinter Glas.
Für sein Projekt The Anthropocene Illusion war der Fotograf an merkwürdigen Orten: Freizeitparks, Zoos, künstliche Strände und Themenwelten versprechen Nähe zur Wildnis – und zeigen zugleich, wie weit wir uns von ihr entfernt haben.
Immer mehr Menschen leben in Städten. Heute sind es schon über die Hälfte der Weltbevölkerung; allein in Deutschland liegt der Verstädterungsgrad bei über 75 Prozent. „Wir haben uns von dem Land, das wir einst durchstreiften, und von anderen Tieren getrennt. Aber irgendwo tief in uns bleibt der Wunsch nach Kontakt mit der Natur bestehen“, sagt der britische Fotograf Zed Nelson. „Wir machen Urlaub an künstlichen Stränden, besuchen Zoos, die lebende Tiere in kunstvoll gestalteten Dioramen ihrer natürlichen Lebensräume zeigen, und besuchen Vergnügungsparks, die ein ‚Dschungelerlebnis‘ bieten. Wir bestaunen Wasserlebewesen in künstlich beleuchteten Meereswelten und Eisbären in chinesischen Einkaufszentren, die in verglasten Gehegen aus Plastikeis und -schnee ihr Dasein fristen. Wir fahren Ski auf künstlich gefrorenen Skipisten in Dubai, während draußen in der Wüste 48 °C herrschen“, zählt Nelson einige seiner Erfahrungen auf.
„In nur wenigen Jahrzehnten haben wir Menschen unsere Welt stärker verändert als jemals zuvor in Millionen von Jahren. Unser Planet soll eine geologische Grenze überschreiten – vom Holozän ins Anthropozän. Zukünftige Geologen werden riesige Konzentrationen von Kunststoffen, Rückstände aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und immense Ablagerungen von Zement finden, der zum Bau unserer Städte verwendet wurde. Die Zahl der Wildtiere auf der Erde hat sich in den letzten 40 Jahren halbiert“, erläutert Nelson. „Während wir also die Natur um uns herum zerstören, sind wir zu Meistern einer inszenierten, künstlichen ‚Erfahrung‘ der Natur geworden, einem beruhigenden Spektakel, einer Illusion.“ Fotografiert hat er typische Beispiele, in denen kommerzialisierte Versionen der Natur gebaut, kuratiert und als steriles Vergnügen choreografiert werden.
„Trotz unglaublicher Fortschritte in Wissenschaft und Medizin haben wir unsere Macht genutzt, um die Erde und die Tiere auszubeuten, und damit haben wir die Verbindung zur Natur zerstört“, so Nelson. Zusätzlich befeuern heute die sozialen Medien mit dem unaufhörlichen Strom visueller Reize und Informationen im Internet einen Zustand der Unwirklichkeit: „Wir suchen offenbar nicht mehr nach Wahrheit, sondern nur noch nach einer Art Staunen“, lautet seine nüchterne Bilanz.
Die Ausstellung The Anthropocene Illusion wird im Rahmen des 19. Umweltfotofestivals »horizonte zingst« präsentiert, das in diesem Jahr das Thema MENSCH in den Mittelpunkt stellt.
Zed Nelson lebt in London und ist bekannt für seine dokumentarischen, gesellschaftskritischen Langzeitprojekte. Seine Arbeit ist geprägt von einem kritischen Blick auf die Schnittstelle zwischen modernem Kapitalismus und menschlicher Psychologie. Nelson wurde mit mehreren bedeutenden Preisen ausgezeichnet und hat vier Bücher veröffentlicht: Gun Nation, Love Me, A Portrait of Hackney, und 2025 erschien The Anthropocene Illusion. Seine Arbeiten wurden international in Einzelausstellungen gezeigt und waren Teil von Gruppenausstellungen, u. a. in der Tate Britain, der National Portrait Gallery und dem Victoria and Albert Museum in London.
Vom 29.05.2026 bis 20.02.2027
Zed Nelson
Kur- und Tourismus GmbH
Martha Müller-Grählert Park
Seestraße 56
18374 Zingst
info@zingst.de
+49 (0) 3 82 32 / 8 15 80
Oder nutzen Sie unser Online-Kontaktformular.
Zed Nelson