Als Teil der Gruppenausstellung LIEBE in der Multimediahalle präsentiert der Fotograf in seiner Serie die sich beständig wandelnde Beziehung zwischen ihm und seiner Mutter.
Sie trinkt Espresso, sie raucht, sie kauft ein, sie verreist, sie putzt sich die Zähne, sie schaut: Alltagsmomente aus dem Leben einer Frau. Die Aufnahmen wirken manchmal banal, manchmal extravagant. Entstanden sind sie meist aus direkter Perspektive, nah dran. Kein Wunder, ist es doch der Sohn, der hier seine Mutter fotografisch begleitet. Schöne Bilder meiner Mutter ist ein Langzeitprojekt über meine Beziehung zu meiner Mutter: Sabina Zeljo aus Sarajevo. Seit dem Beginn meines Fotografiestudiums in Deutschland sind Kontakte zu meinem Heimatland - und somit zu ihr - selten geworden. Trotz der physischen Distanz ist unsere Bindung jedoch beständig geblieben und hat sich neuen Rhythmen und Realitäten angepasst“, erläutert der Fotograf.
„Die Entfernung hat unserem Verhältnis gutgetan“, so Divović: „Ich zeige Sabina einerseits so, wie sie sich selbst gern in der Öffentlichkeit sieht; andererseits erlebe ich immer wieder Situationen mit ihr, bei denen sie sich mir intim und verletzlich zeigt.“ Ganz wichtig für die Serie ist das Vertrauen. Üblicherweise werden Kinder in allen möglichen Situationen ihres Aufwachsens von ihren Eltern fotografiert. Hier hat sich das Verhältnis umgekehrt: Es ist der erwachsene Sohn, der auf seine Mutter schaut, direkt, doch immer liebevoll.
Die Serie ist für den Fotografen eine mehrfache Annäherung: an die Mutter, die er kennt, an eine Frau, die ihm trotzdem oft noch fremd ist – und an sich selbst: Denn was könnte uns mehr Aufschluss über den Umgang mit unseren eigenen Ängsten, Sorgen und Unzulänglichkeiten geben als der Blick in die eigene Familie? „Diese Bilder dokumentieren nicht nur sie, sondern fungieren auch als ein stiller Dialog zwischen uns, der Themen wie Liebe, Erinnerung sowie das Wechselspiel von Distanz und Nähe erforscht.“ Wie schön, dass der Fotograf die Serie fortsetzt – immer dann, wenn sich ihre Wege wieder kreuzen.
Die Ausstellung Schöne Bilder meiner Mutter wird im Rahmen des 19. Umweltfotofestivals »horizonte zingst« präsentiert, das in diesem Jahr das Thema MENSCH in den Mittelpunkt stellt.
Vedad Divović wurde 1991 in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina, geboren. Von 2011 bis 2016 studierte er Fotografie und Medien an der Fachhochschule Bielefeld. In seiner Arbeit untersucht Divović soziale Probleme und geopolitische Spannungen in Krisengebieten, insbesondere im ehemaligen Jugoslawien, in der Ukraine und in Indien. Sein jüngstes Projekt Home of the Homeless and the Perpetually Lost dokumentiert die Bedeutung und die Zerbrechlichkeit des Konzepts „Heimat“ am Beispiel des Libanon. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet und in Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland und im Ausland präsentiert. Er lebt in Hamburg. Mehr über Vedad Divović erfahren.
Vom 29.05.2026 bis 07.06.2026
Vedad Divović
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