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Afghanistans Mädchen lernen – ein stiller Akt der Stärke UNICEF Foto des Jahres 2025

UNICEF Foto des Jahres 2025

Mit der Auszeichnung “UNICEF Foto des Jahres“ prämiert UNICEF Deutschland seit dem Jahr 2000 Fotos und Fotoreportagen, die die Persönlichkeit und Lebensumstände von Kindern weltweit auf herausragende Weise dokumentieren.

„Hochwertige dokumentarische Fotografie kann Augen öffnen. Den Arbeiten, die jährlich im Fotowettbewerb von UNICEF prämiert werden, gelingt genau das: Sie öffnen die Augen für die Lage der Kinder in unserer Welt“, sagt Georg Graf Waldersee, Vorstandsvorsitzender von UNICEF Deutschland. „Die Bilder zeigen Kinderschicksale, ehrlich und aufrichtig, manche schonungslos, manche voller Hoffnung. Sie sind ein eindringlicher Appell an Empathie und Mitgefühl und erinnern uns an unsere gemeinsame Aufgabe: für das Wohl der Kinder weltweit einzutreten.“

Über die Preisvergabe für das „UNICEF Foto des Jahres“ entscheidet eine unabhängige Jury unter dem Vorsitz von Peter-Matthias Gaede, Mitglied des Deutschen Komitees für UNICEF & langjähriger Chefredakteur GEO Magazin.

Die Preisträger*innen 2025

Afghanistans Mädchen lernen – ein stiller Akt der Stärke / Elise Blanchard (Gewinnerbild)

Seit dem August 2021, der Machtübernahme durch die radikal-islamistischen Taliban, sind Frauen zu Menschen zweiter Klasse geworden. In dem ohnehin bitterarmen Land, in dem Hunger und Mangelernährung grassieren, in dem es an Kliniken, Ärzten und Ärztinnen fehlt, spüren schon Mädchen, dass elementare Menschenrechte für sie nicht mehr gelten. Ab der siebten Klasse dürfen sie nicht mehr zur Schule gehen, weitere Bildung wird ihnen versagt. Die französische Foto-Reporterin Elise Blanchard, als eine der ganz wenigen westlichen Augenzeugen seit sieben Jahren im Land, ist weite Wege gegangen, um die Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen zu dokumentieren: In Kabul und in entlegenen Bergdörfern, in Nähereien und Edelsteinschleifereien, in heimlichen Schulen. Sie hat Mädchen wie die zehnjährige Hajira erlebt, die gerade noch auf eine Grundschule gehen darf, Lehrbücher fleißig zuhause studiert und Zahlen mit Freude auf Hauswände schreibt.

Sie hat Familien getroffen, die durch trockenheitsbedingte Missernten in derartige Armut abgerutscht sind, dass sie schon siebenjährige Töchter an alte Männer verheiraten. Sie hat die Verzweiflung einer 13-Jährigen gespürt, die ihre Depressionen damit bekämpft, dass sie kleineren Mädchen aus der Nachbarschaft dabei hilft, mit der Welt der Buchstaben vertraut zu werden. Und sie hat einen bewundernswerten Durchhaltewillen gerade der Mädchen erfahren. Ein Beispiel dafür ist Hajira, die mit ihren Geschwistern in einer extrem armen Familie in einem Dorf ohne Straßenverbindung in der Nangarhar-Provinz östlich von Kabul aufwächst. Elise Blanchard hat sie in einer Gesundheitsstation von Terres des Hommes getroffen, wo dem Mädchen nach mehrmonatiger Krankheit auf die Beine geholfen wurde. Die Fotografin hat Hajira gemeinsam mit einer Übersetzerin nachhause begleitet, zu Fuß durch einen Fluss und auf beschwerlichen Pfaden. Sie hat Hajira beim Wasserholen von einer Quelle erlebt, beim Wäschewaschen – und eben beim stillen privaten Lernen jenseits einer Koranschule, wie sie von den Taliban vor allem in ländlichen Regionen betrieben werden, und in die immer weniger Mädchen gehen dürfen.

Afghanistans Mädchen lernen – ein stiller Akt der Stärke
Die zehnjährige Hajira lernt versunken in ihrem Zuhause, in einem abgelegenen Dorf östlich von Kabul. Während der Unterricht in den Grundschulen für Mädchen weiterhin möglich ist, dürfen sie ab dem Sekundarschulalter offiziell nicht mehr lernen. ©Tdh/Elise Blanchard

Wo sich der Himmel verdüstert, Mongolei / Natalya Saprunova (Zweiter Preis)

Der Binnenstaat Mongolei gehört zu den 20 größten Ländern der Welt. Und ist extrem dünn besiedelt. Zwei Menschen leben hier im Durchschnitt pro Quadratkilometer; etwa 240 sind es in Deutschland. Und doch hat die Mongolei, einst berühmt für ihren „heiligen blauen Himmel“, ein gravierendes Umweltproblem, und es betrifft vor allem die Bevölkerung von Ulaanbaatar, der Hauptstadt, in der fast 50 Prozent der etwa 3,5 Millionen Einwohner leben. Es ist die Kohle, die für etwa 70 Prozent der Energiegewinnung steht. Die vom Verbrennen der Kohle verursachte Feinstaubbelastung führt zu außergewöhnlichen Raten an Lungenentzündungen, Asthma, Bronchitis und Herzkrankheiten und wird für schätzungsweise zehn Prozent aller Todesfälle verantwortlich gemacht.

Die in Russland geborene, inzwischen mit französischer Staatsangehörigkeit ausgestattete Fotografin Natalya Saprunova hat in ihren Bildern festgehalten, dass und wie die Luftverschmutzung auch Kinder trifft. Bereits in einem Kindergarten der Kapitale sind Luftfilter aufgestellt, um die Schadstoffkonzentration zu mildern. Vierjährige Mädchen werden mit Atemwegserkrankungen in Hospitäler eingewiesen, die Lungen von Kleinkindern werden geröntgt, jedes Jahr sterben Dutzende Menschen an Kohlenmonoxid-Vergiftungen, während aus hunderttausenden Schornsteinen braune Wolken in die im Winter bis zu minus 30 Grad kalte Luft aufsteigen.

In einem Kindergarten der Mongolei sind Luftfilter aufgestellt, um die Schadstoffkonzentration zu mildern
Die Mongolei, einst berühmt für ihren „heiligen blauen Himmel“, hat ein gravierendes Umweltproblem. Das Verbrennen von Kohle zur Energiegewinnung verursacht eine Feinstaubbelastung, die zu außergewöhnlichen Raten an Lungenentzündungen, Asthma, Bronchitis und Herzkrankheiten führt. In einem Kindergarten der Hauptstadt sind Luftfilter aufgestellt, um die Schadstoffkonzentration zu mildern. © Natalya Saprunova

Eine Kindheit zwischen Rauch und Feuer, Indien / Sourav Das (Dritter Preis)

Sie atmen die heiße Luft von unterirdisch glimmenden Feuern. Sie tragen Säcke statt Bücher. Sie trinken verdrecktes Wasser. Sie waten barfuß durch schwarzen Schlamm. Und statt der Glocke, die zum Schulbeginn ruft, hören sie die Spitzhacken in den Kohleminen. Das ist Kindheit in Jharia, bekannt und berüchtigt als „the burning city“, seit rund hundert Jahren eines der größten Kohlefelder Indiens.

Der indische Fotograf Sourav Das hat schon mit vielen Reportagen das Schicksal von Kindern dokumentiert, deren Leben nicht viel mehr ist als ein Überlebenskampf unter härtesten Bedingungen. Ohne Gesundheitsversorgung, ohne Spielplatz, ohne Klassenzimmer. Und nicht selten als kleine Arbeiter eingesetzt, um zum Familienlohn beizutragen. Manche von ihnen wohnen in Ruinen, wenn Häuser und Hütten durch sich auftuende Risse im unterhöhlten Boden zusammenfallen. Manchen hat sich der Kohlestaub derart in die Gesichter gefressen, dass sie wie pechschwarze Gespenster, in Lumpen gekleidet, über die qualmenden Halden huschen. Oder aus den Eingängen zu den Kohlestollen kommen. Nach indischem Gesetz ist Kinderarbeit unter 14 Jahren verboten. Geahndet aber werden Verstöße dagegen noch immer selten.

Kinder in Jharia/Indien
Sie atmen die heiße Luft von unterirdisch glimmenden Feuern. Kinder tragen Säcke statt Bücher, trinken verschmutztes Wasser und waten barfuß durch Schlamm. Statt der Glocke, die zum Schulbeginn ruft, hören sie die Spitzhacken in den Kohleminen. Das ist Kindheit in Jharia/Indien. © Sourav Das
Die Texte zu den drei UNICEF-Gewinner-Bildern stammen von Peter-Matthias Gaede
Termine

Vom 29.05.2026 bis 01.05.2027

Künstler

UNICEF Foto des Jahres

Veranstalter

Kur- und Tourismus GmbH Zingst

Veranstaltungsort

Ev. Peter-Pauls-Kirche
Kirchweg 8
18374 Zingst

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