Im Max Hünten Haus erkundet der Schweizer Fotograf mit seiner Serie H+ die weltweite philosophische Bewegung des Transhumanismus – abgekürzt H+ – und alle Arten von Modifizierungen und Optimierungen des Körpers.
Unsterblichkeit - ermöglicht durch Prothesen, Exoskelette, Implantate, Neuroprothetik, Wearables, Nootropika, Body- und Bio-Hacking oder gar Kryonik. Wem diese Begrifflichkeiten noch fremd klingen, wird in der Serie reiches Anschauungsmaterial zum Thema Transhumanismus finden, das sich ganz der Selbstoptimierung des menschlichen Körpers widmet. In seiner Bildsprache vermischt er dokumentarische Ansätze mit allegorischen Darstellungen und zeigt, wie selbstverständlich das transhumanistische Denken bereits Einzug in unser Leben gehalten hat.
Schon mit dem Kauf einer Anti-Aging-Creme oder dem Einwerfen von Nahrungsergänzungspillen kann transhumanistisches Denken Einzug in unser Leben nehmen. So gibt es in der Serie zahlreiche Aufnahmen von alltäglichen Gegenständen wie Smartphones, Zahnspangen, Spiralen und Nahrungsersatzriegel, die der Fotograf mit weitaus aufwendigeren und zukunftsweisenderen Objekten zusammenbringt. Somit verweist er auf ein langes Kontinuum wissenschaftlicher Entwicklung. Die nüchterne, minimalistische und dokumentarische Bildästhetik erzählt von Hoffnungen und Sehnsüchten, befördert aber ebenso die Befürchtungen über die scheinbare Unerbittlichkeit technischer Innovationen.
Die Serie H+, 2018 als Buch bei Kehrer publiziert, lässt faszinierenden Widersprüche entstehen: die Motive zeigen zum einen kühle Rationalität, wissenschaftlichen Fortschritt, der bei einigen Vertretern mit fast mystischer und spiritueller Inbrunst gelebt wird, zum anderen aber auch einfach die faszinierende Schönheit von Design. Zwischen dem Cyborg-Mythos, zeitgenössischen Chimären und techno-messianischen Versprechungen schwebend: die Serie zeigt, wie der Transhumanismus bisweilen einer neuen Form von Religion ähnelt. Die Bildserie präsentiert ein aktuelles Spektrum gegenwärtiger Möglichkeiten, ist zugleich auch eine kritische Hinterfragung und Warnung vor der Zukunft.
Die Ausstellung H+ wird im Rahmen des 19. Umweltfotofestivals »horizonte zingst« präsentiert, das in diesem Jahr das Thema MENSCH in den Mittelpunkt stellt.
Matthieu Gafsou (*1981) lebt und arbeitet in Lausanne, Schweiz. Nach seinem Master-Abschluss in Philosophie, Literatur und Film an der Universität Lausanne studierte er Fotografie an der Vevey School of Applied Arts. Seit 2006 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, Gafsou hat sechs Bücher veröffentlicht; H+ erschien 2018 bei Kehrer. Im gleichen Jahr war H+ einer der Höhepunkte der Rencontres de la Photographie d’Arles, bevor es international tourte (China, Australien, Italien, Irland, Spanien, Schweiz, unter anderem). Gafsou unterrichtet seit mehreren Jahren an der Lausanner Kantonal School of Art (ECAL). Er ist Gründungsmitglied der Agentur MAPS. Mehr über Matthieu Gafsou erfahren.
Vom 29.05.2026 bis 31.08.2026
Matthieu Gafsou
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