Die Serie „Räuber“ ist Teil der Gruppenausstellung zum Thema LIEBE in der Zingster Multimediahalle.
Es ist eine Geschichte zweier Brüder: 15 Jahre trennen den Fotografen von seinem jüngeren Halbbruder Jascha. Eine Distanz, die früher kaum Gemeinsamkeiten zuließ, zumal der Ältere die Familie verließ, als der Bruder noch sehr jung war und sich der Familienverband änderte. Das Verhältnis zum Stiefvater war schwierig, und als der Halbbruder geboren wurde, „war mir das unangenehm“, sagt Kern. „Alles war mir damals unangenehm. Ich war mir nicht sicher, wie ich mit ihm umgehen sollte. Etwa drei Jahre später zog ich aus und war froh, auf eigenen Beinen zu stehen. Nach einer Weile trennte sich meine Mutter von meinem Stiefvater und zog mit Jascha in ein altes Bauernhaus. Ich mochte Jascha wirklich gern, aber die wenigen Besuche reichten nicht aus, um ihn kennenzulernen.“
Erst die Kamera brachte sie wieder näher zusammen: „Wenn ich zu Besuch war, machte ich immer ein paar Fotos von Jascha, aber erst um Ostern 2020 fing ich wirklich an, ihm überallhin zu folgen und sein Leben zu dokumentieren“, berichtet der Fotograf. „Und es war verrückt, denn erst da wurde mir klar, wie gut es sich anfühlte, Zeit mit ihm zu verbringen, und dass meine Kamera der beste Vorwand dafür war. In seiner Gesellschaft konnte ich völlig sorglos und kindisch sein. Obwohl er sich mehr um andere Lebewesen kümmert als jeder andere, den ich bisher kennengelernt habe. All diese Dinge, die er liebt, kamen mir so vertraut vor. Es gibt zum Beispiel nichts, was ihn so begeistert wie seine Hühner. Meine Mutter sagt oft, dass sie mit ihm genau dieselben Dinge durchmacht, die sie schon mit mir durchgemacht hat.“ Und auch für den Fotografen selbst wurde die Räuber-Serie eine Erfahrung, die Kindheit nochmals zu erleben. Die analoge Kamera war die Brücke, und auch die Betrachtenden erleben Momente direkten Einvernehmens, voller Neugier und Nähe. Die Authentizität drückt sich dabei nicht zuletzt in der Unvollkommenheit, dem Nicht-Perfekten aus.
Die Serie dreht sich Jaschas Aufwachsen auf dem Hof: beim Hühnerfüttern, Spielen, Tennis, Leben und Alltag zwischen Wald und Tieren. Mit der Wucht der Motivvielfalt zeigt sich eine doppelte Entdeckungsreise: Der jüngere Bruder zeigt uns seine Welt, der ältere findet einen einfühlsamen Weg zu seinem Bruder – und letztlich auch zu sich und seiner eigenen Kindheit.
Die Ausstellung Räuber wird im Rahmen des 19. Umweltfotofestivals »horizonte zingst« präsentiert, das in diesem Jahr das Thema MENSCH in den Mittelpunkt stellt.
Josh Kern wurde 1993 in Kaiserslautern geboren. Seinen Bachelorabschluss in Fotografie machte er 2022 an der Fachhochschule Dortmund – University of Applied Sciences and Arts. Das Buch Räuber veröffentlichte er 2021 bei eigensinn Publishing. Darüber hinaus sind drei weitere Bücher von ihm erschienen: Fuck Me (dienacht Publishing, 2018), Love Me (eigensinn Publishing, 2020), Hallo Aslı (eigensinn Publishing, 2022). Er lebt in Leipzig. Erfahre mehr über Josh Kern.
Vom 29.05.2026 bis 07.06.2026
Josh Kern
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Josh Kern