Kurzprogramm

"Durch die Luftbildaufnahmen kann man den wichtigen Bezug zur Vergangenheit herstellen und es zeigt sich der Ursprung der entstandenen Seen", so Eik Hentschke.

Seine Arbeit „Grube Hermine“ zeigt einen der renaturierten Braunkohletagebauseen der Region Bitterfeld im südlichen Sachsen-Anhalt. Einst die schmutzigste Stadt und Region Europas wandelte sich die Gegend mithilfe des Wassers in Landschaften mit zauberhaften Seen und Wäldern.

Was ihn an der Landschaft fasziniert - inhaltlich und fotografisch - und warum er für die Dokumentation auf die Drohnenfotografie setzt, darüber haben wir mit ihm im Interview gesprochen.

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horizonte zingst: Was ist auf dem Titelbild zu sehen?

Eik Hentschke: Man sieht die Uferlinie eines Sees, welcher durch Flutung des ehemaligen Tagebaus „Grube Hermine“ bei Bitterfeld (Sachsen-Anhalt), entstanden ist. Es ist einer der vielen Seen in der Region, die nach dem Ende des Braunkohleabbaus durch Renaturierung der Tagebaukrater angelegt wurden. Das Bild wurde im Winter aufgenommen. Das Eis auf der Wasseroberfläche ist zu erkennen, winterlich gelbes Gras säumt das Ufer und die Kontraste der Elemente werden sichtbar. Das Bild ist Teil meiner Fotoserie MAN MADE LANDS in der ich dem Betrachter diese, von Menschen gemachten Landschaften an verschiedenen Orten der ehemaligen Braunkohle Region Sachsen-Anhalts mit Hilfe von Drohnenaufnahmen in einem ganz neuen Blickwinkel zugänglich machen möchte.

Was hat es mit der Gegend und der nachfolgenden Renaturierung auf sich?

Vor über 100 Jahren begann im Raum Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) der Braunkohleabbau und legte den Grundstein für die sich aufbauende Industrie. Die Kohle war der Motor für industriellen Aufschwung, aber auch für die Zerstörung der Natur. Ganze Landstriche, Wälder und Dörfer verschwanden für die riesigen Kohlekrater. Noch vor 30 Jahren bezeichnete man Bitterfeld als die schmutzigste Stadt Europas.

Anfang der 90er Jahre wurde der Kohleabbau in der Region überwiegend eingestellt und es wurde mit der Sanierung der stillgelegten Tagebauten begonnen. Das Bundesbergbaugesetz regelt hierbei, dass diese wirtschaftlich genutzten und verwüsteten Flächen renaturiert, rekultiviert und somit wieder nutzbar gemacht werden müssen. Durch Flutung der entstandenen Tagebaukrater und Gestaltung des Umlandes sollen Natur und Lebensräume wiederhergestellt werden. Die Narben der Ausbeutung werden so überdeckt, zu ihrer ursprünglichen Form werden die Landschaft und das Ökosystem jedoch nicht mehr zurückkehren. In der Region entstanden so Seen, Inseln und Wälder, durchzogen von kilometerlangen Radwegen. Weite Teile sind Naturschutzgebiete, an anderer Stelle gibt es Badestrände mit Promenaden und Restaurants. Die Renaturierung ist ein Prozess der aufgrund der besonderen Gegebenheiten des Erdreichs und der Anlegung der Landschaften viele Jahrzehnte andauern kann.

Was interessiert Sie daran - inhaltlich und fotografisch?

Ich bin in der Region aufgewachsen. Während meiner Kindheit waren viele der heutigen Seen noch nicht geflutet. Es waren karge Landschaften, die Löcher des Tagebaus bis zu 80 Meter tief. Als ich dann 2018 von Hamburg zurück in die Heimat nach Leipzig zog, entdeckte ich die Veränderungen der Landschaften ganz neu. Es hat sich eine regelrechte Verwandlung vollzogen. Von Überresten der industriellen Ausbeutung und Zerstörung hin zu lebendiger, sich entwickelnder Natur. Die Landschaftsfotografie ist, seit ich in meiner Jugend angefangen habe zu fotografieren, meine Leidenschaft. Diese positive Veränderung meiner Heimat zu dokumentieren war eine Herzensangelegenheit.

Die hier von Menschenhand geschaffenen Landschaften haben eine große Vielfalt. Es gibt helle Sandstrände, steil abfallende Uferhänge die sich im Dunkel des tiefen Wassers verlieren, alte Straßen die ins Wasser führen und auf einer Insel im See wieder auftauchen. Die Farbenvielfalt zieht einen in den Bann. Das Grün der Bäume, welche an den See grenzen, mischt sich mit rostfarbenem Wasser, das sich durch den eisenhaltigen Boden gefärbt hat. Diese unterschiedlichen Farben und Formen, vor allem im Grenzbereich von Land zu Wasser, das Zusammenspiel und die Kontraste fotografisch abzubilden hat mich besonders gereizt. Seit 2018 habe ich dafür an verschiedenen Standorten der Region und zu unterschiedlichen Jahreszeiten in einem aufwendigen Prozess hochauflösende Drohnenaufnahmen der Landschaften gemacht. Die bis zu 200 Einzelaufnahmen pro Bild wurden in Zusammenarbeit mit der Postproduktion Harvest Digital Agriculture zu großformatigen Panoramen zusammengesetzt. Aus einzelnen Elementen entsteht so für den Betrachter ein großes Ganzes und schafft eine neue Sicht auf die entstandenen Landschaften die sowohl Weite als auch Detailliertheit entdecken lassen.

Warum haben Sie für die Strecke die Drohnenfotografie gewählt?

Die Luftbildfotografie hat mich schon immer fasziniert. Dieser Blickwinkel, der einem sonst nur aus einem Hubschrauber oder Flugzeug zu Teil wird. Die landschaftlichen Veränderungen der Region werden aus dieser Perspektive noch einmal ganz anders greifbar. Erst durch die Luftbildaufnahme kann man den wichtigen Bezug zur Vergangenheit herstellen und es zeigt sich der Ursprung der entstandenen Seen. Man erkennt unter Wasser die Rückstände der ehemaligen Industrie wie die durch den Abbau entstandenen Rillen im Erdreich, alte Straßen und Fahrrinnen und eisenhaltige Auswaschungen die durch den natürlichen Grundwasseranstieg entstehen. Ich habe mich für einen 90° Winkel der Aufnahmen entschieden, um die Landschaften so pur und präzise wie möglich darzustellen, ohne perspektivische Ablenkungen.

Die Serie "Man Made Lands" von Eik Hentschke ist ein Part der Gruppenausstellung „Wasser – Ursprung, Element, Ressource, Leben“. Ebenjene wird in Kooperation mit dem Magazin Stern in der Panzerhalle / Wellness Camp Düne 6 vom 28.05.- 06.06.2021 gezeigt.

Webseite des Fotografen: www.eikhentschke.com

Das Interview führte Nina Hesse per E-Mail

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