Singen gegen die Frühjahrsmüdigkeit

Singendes Blaukehlchen

Wie haben es Vögel eigentlich geschafft 100 Millionen Jahre die Erde zu besiedeln, ohne ihren Lebensraum zu zerstören? Diese Frage treibt Dr. Ernst Paul Dörfler, der sich selbst dem Umweltschutz verschrieben hat, schon lange um. Seit Jahren beobachtet er unsere gefiederten Nachbarn sehr genau und vergleicht in seinem neuen Buch Nestwärme – Was wir von Vögeln lernen können ihr Verhalten mit unserem. Im Interview gibt er schon mal einen kurzen Einblick in seine Erkenntnisse.

Herr Dr. Dörfler, der Frühling ist da und wir Menschen leiden zuweilen unter der berüchtigten Frühjahrsmüdigkeit. Können wir uns bei den Vögeln etwas abgucken, um munterer in die neue Jahreszeit zu starten?

Auf jeden Fall: Viel Aufenthalt im Freien zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter, verbunden mit intensiver Bewegung und Atmung. Tageslicht, verbunden mit Bewegung und Naturbeobachtung schenkt unserem Körper das Glückshormon Dopamin, das unsere Stimmung aufhellt. Auch Singen oder Trällern ist erlaubt!

Was können wir uns generell von den Vögeln abgucken?

Die drei wichtigsten Aspekte des Sozialverhaltens von Vögeln sind Friedfertigkeit und Gewaltverzicht, Zuwendung und Zärtlichkeit sowie fairer Umgang zwischen den Geschlechtern. Das Leben der Vögel ist naturgerechter, sie leben nach ihrem natürlichen Biorhythmus (Leben nach der Sonne statt nach der Uhr) und sorgen für ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung, das heißt sie leiden nicht unter Dauerstress und machen sich keine unnötigen Sorgen. Sie verfallen nicht der Trägheit und Bequemlichkeit. Ihre Daseinsweise ist vor allem die Bewegung.

Welche Eigenschaft, beziehungsweise Verhaltensweise von Vögeln finden Sie am interessantesten?

Ich finde ihren gesunden Lebensstil faszinierend. Ihre Nahrung ist saisonal, regional, erntefrisch und naturbelassen. Sie haben einen bewundernswert niedrigen Krankenstand. Sie besitzen hohe Abwehrkräfte, ein intaktes Selbstheilungsvermögen und sie kennen den Schlüssel, wie man über die gesamte Lebensspanne vital bleiben kann – ganz ohne Zivilisationskrankheiten und ohne die uns bekannten Alterungserscheinungen.

In welchem Bezug steht diese Beobachtung zu uns Menschen?

Spannend ist für mich die Frage, warum wir Menschen viele gesunde Lebensjahre leichtfertig verschenken? Körperliche Leiden und psychische Krankheiten wären vermeidbar, wenn wir uns einiges von den Vögeln abschauen, wenn wir naturgemäßer leben würden und das gesunde Maß fänden. Dazu gehört neben Sozialkontakten, Bewegung und gesunder Ernährung auch das inzwischen neu entdeckte Intervallfasten. Es ist der permanente Überfluss, der uns unter anderem krank macht. Wir können aber auch anders, wir müssen nur damit beginnen, unser Leben neu zu ordnen. Ein Aufenthalt an der Ostseeküste könnte als Einstieg genutzt werden.

Welcher Vogel ist Ihr persönliches Vorbild? Gibt es besondere Verhaltensweisen, die Sie in Ihrem Leben übernommen haben?

Die Kraniche gehören zu meinen persönlichen Vorbildern. Im Frühling beziehen sie als Paar ihr stilles Revier, sie tanzen auf der Wiese, werben jedes Jahr aufs Neue umeinander, beide Partner beteiligen sich gleichermaßen an der Betreuung des Nachwuchses. Sind die Jungen flügge, schließt sich die Kranichfamilie größeren Gemeinschaften an und ab geht es in den Süden.

Was Dr. Ernst Paul Dörfler noch alles über das Leben der Vögel zu erzählen weiß, teilt er am 06. Und 07. April mit seinem Publikum, wenn er am Samstag sein Buch im Max Hünten Haus vorstellt und am nächsten Morgen zu einer Radexkursion in den Osterwald aufbricht.

Titelbild: Blaukehlchen singend - Hans-Martin Kochanek

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